Das Tabu häuslicher Gewalt brechen

Häusliche Gewalt geht uns alle an. Auch wenn wir selbst nicht betroffen sind, kann es eine Nachbarin, eine Freundin, eine Cousine sein …
Immer mehr Präventions- und Informationskampagnen sowie immer mehr Pflegekräfte und Verbände rücken dieses Thema in den Vordergrund, um Opfer zu informieren und zu unterstützen.
Es ist unerlässlich, das Tabu zu brechen, damit diese Opfer die Hilfe und Unterstützung finden können, die sie benötigen. Wir wissen, dass häusliche Gewalt verschiedene Formen annehmen und Menschen aller Hintergründe betreffen kann, unabhängig von Alter, Situation oder sozialem Milieu.
Was ist häusliche Gewalt?
Häusliche Gewalt, also innerhalb einer Partnerschaft, beschränkt sich nicht auf körperliche Übergriffe, auch wenn dies oft das erste Bild ist, das einem in den Sinn kommt. Sie kann auch psychologischer, verbaler, sexueller, wirtschaftlicher oder administrativer Natur sein. Das Ziel des Täters ist immer dasselbe: Macht über den anderen zu erlangen, ihn zu kontrollieren und zu isolieren.
Körperliche Gewalt ist am leichtesten zu erkennen. Man sieht blaue Flecken, Spuren von Schlägen, körperlicher Misshandlung usw. Allerdings hinterlassen nicht alle Gewalttaten zwangsläufig Spuren auf der Haut.
Psychische Gewalt ist heimtückischer, perfider. Sie kann durch Demütigungen, Beleidigungen, Drohungen, Herabwürdigung, ständige Kritik oder Manipulation geschehen. Sie entwickelt sich oft schrittweise und macht das Opfer zunehmend abhängig und verletzlich. Es ist eine der schwierigsten Formen der Gewalt zu erkennen, da sie keine sichtbaren Narben hinterlässt, aber tiefe Wunden im Selbstwertgefühl.
Wenn Zahlen sprechen
Was Frauen betrifft, sind die Zahlen zur häuslichen Gewalt in Frankreich alarmierend und zeigen das Ausmaß des Phänomens:
- Im Jahr 2022 gaben fast 321.000 Frauen im Alter von 18 bis 75 Jahren an, Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner gewesen zu sein.
- Laut dem Innenministerium stirbt alle 3 Tage eine Frau durch die Schläge ihres Partners oder Ex-Partners. Dies ist eine schockierende Realität, die beweist, dass häusliche Gewalt tödlich sein kann.
- Über körperliche Gewalt hinaus schätzt man, dass 4 von 10 Frauen Opfer psychologischer oder verbaler Gewalt in ihrer Beziehung sind.
Warum ist es so schwer, darüber zu sprechen?
Laut den Regierungszahlen erstatteten von den 321.000 Frauen, die 2022 Opfer häuslicher Gewalt wurden, nur 15 % Anzeige. Nur 15 %!!!
Die Angst vor Vergeltung, Schuldgefühle oder mangelnde Unterstützung hindern Opfer manchmal daran, das Schweigen zu brechen.
Es ist wichtig zu betonen, dass häusliche Gewalt niemals akzeptabel ist und dass es Lösungen gibt, um daraus auszubrechen.
Darüber zu sprechen, bedeutet, sich in Sicherheit zu bringen und einen ersten Schritt zur Neuorientierung zu machen.
Hilfe erhalten: Welche Ressourcen stehen zur Verfügung?
Wenn Sie Opfer oder Zeuge von häuslicher Gewalt sind, gibt es Verbände und Notrufnummern, die Ihnen helfen können. Die 3919 - Violences Femmes Info - ist eine nationale, kostenlose und anonyme Hotline, die 7 Tage die Woche erreichbar ist. Sie bietet Beratung, Hilfe oder Weiterleitung an eine Einrichtung in Ihrer Nähe.
Sie können auch den Chat auf der Meldeplattform https ://arretonslesviolences .gouv .fr/ nutzen: Sie ermöglicht es, anonym und sicher mit einem geschulten Polizisten oder Gendarmen zu sprechen, der 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche verfügbar ist.
Häusliche Gewalt geht uns alle an. Nur weil es sich im Intimbereich eines Paares abspielt, dürfen wir nicht die Augen verschließen (das ist eine Selbstverständlichkeit, aber manchmal halten sich alte Ideen hartnäckig). Wenn Sie Zeuge sind, müssen Sie handeln, und wenn Sie Opfer von Gewalt sind, gibt es Lösungen, Sie sind nicht allein.


